mit freundlicher Freigabe von Herrn Dr. J. Reichwein.

Blonde d´Aquitaine - Herkunft und Ursprung der Rasse

Im Südwesten Frankreichs zwischen Bordeaux und Toulouse waren seit dem Mittelalter drei Blondschläge beheimatet: im Gebiet der Landschaft Aquitanien, rings um den Fluss Garonne die großrahmige "Garonaise de plaine", im Hügelland die "Garonaise de coteau" und in den Pyrenäen die mittelrahmige, klettersteigfähige "Blonde de Pyrenees" In der Gegend um Toulouse waren die "Blonden de Quercy", ein mittelrahmiger, eher gedrungenerer Schlag beheimatet. Sie waren typische Dreinutzungsrassen.

Seit 1962 sind sie zu einer reinen Fleischrasse in einem Herdbuch zusammengefasst.

Blonde d´Aquitaine - Verbreitung der Rasse

Ausgehend vom Südwesten Frankreichs, das heute über 550.000 blonde Mutterkühe zählt, breitete sich die Rasse über ganz Europa sowie wegen der guten Hitzeverträglichkeit der Rasse auch in Südamerika aus. In Europa ist sie zunächst von den ökonomisch orientierten Niederländern übernommen worden. In Deutschland werden zur Zeit knapp 1200 Herdbuch-Mutterkühe mit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen und Hessen gehalten.

Blonde d´Aquitaine - Rassentypische Merkmale

Das Blonde d' Aquitaine Rind mit seinem einheitlich hellgelben bis weizenfarbenen, kurzen Haarkleid mit Aufhellungen um die Augen und das Flotzmaul gehört zu den großrahmigen Mutterkuhrassen. Die unpigmentierten Schleimhäute erscheinen rosa. Es zeichnet sich durch seine Körperlänge und das rechteckige Format aus. Als Einnutzungsfleischrasse sind alle fleischtragenden Partien wie Keule, Rücken und Schulter sehr gut entwickelt.

Um ein problemloses Kalben zu garantieren, soll das gerade Becken eher lang als breit in rechteckiger Form mit großem innerem Beckendurchmesser ausgebildet sein. Der Feinheit des Knochenbaus und der Haut kommt eine besondere Bedeutung zu.

Das Gewicht ausgewachsener Kühe liegt bei einer Widerristhöhe von ca. 1,50m zwischen 900 und 1100kg. Die Bullen sind noch ca. 10cm höher und erreichen 1200 bis 1 500kg.

Blonde d´Aquitaine - Haltung der Rasse

In der Haltung ist das Blonde d' Aquitaine Rind problemlos, die Mutterkuhherde ist ruhig und anpassungsfähig hinsichtlich Klima und Futtergrundlage. Es erlaubt eine extensive Haltungsform mit Weidegang im Sommer und Heu oder Grassilage im Winter. Sein enormes Wachstumspotential zeigt die Rasse aber bei intensivster Fütterung. Tageszunahmen von bis zu 2 kg in der Jungbullenmast sind ohne weiteres möglich.

Die in Deutschland zwischen 20 und 70, in einigen Herden bis 150 Tiere umfassenden Mutterkuhherden werden bei Weidegang im Sommer, der je nach Standort von April bis November dauert (einige Züchter halten die Tiere auch ganzjährig im Freien), im Winter mit Heu und/oder Grassilage und je nach Region mit Maissilage und Getreide gefüttert. Die Kälber sind dankbar für eine Zufütterung im Kälberschlupf vor allem im Herbst, wenn der Grasaufwuchs nachlässt.

Blonde d´Aquitaine - Zuchtqualitäten

Als Garanten für eine gute Produktivität stehen Langlebigkeit, Fruchtbarkeit und gute Muttereigenschaften. Das Erstkalbealter liegt bei durchschnittlich 2,5 Jahren. Reine Produktionsbetriebe lassen die Färsen schon mit 2 Jahren abkalben, indem sie Sperma von auf Leichtkalbigkeit geprüften Vererbern einsetzen.

Die Durchschnittskuh erreicht ein Alter von ca. 11 Jahren mit ca. 8 Kälbern. Elitekühe werden bis zu einem Alter von 15 Jahren zur Zucht benutzt, wobei selbstverständlich ein Kalb pro Jahr produziert wird.

Die gute Ausprägung des großen Beckens der Blonde d' Aquitaine Kühe fördert die Leichtkalbigkeit dieser Fleischrasse. Die Kälber passieren auch leicht die Geburtswege, weil sie schlank und länglich geformt sind mit grazilen Gliedmaßen und feinem, länglichen Kopf. Trotz der beschriebenen Eigenschaften haben die Kälber ein hohes Geburtsgewicht mit 47 kg bei den männlichen und 44 kg bei den weiblichen Kälbern. Die Muskelausprägung an den Schultern, am Rücken und an den Schenkeln bildet sich im Alter von 3 bis 4 Wochen heraus.

Blonde d´Aquitaine - Vermarktung der Rasse

Die Rasse eignet sich für alle Produktionsformen:

    Milchmastkälber
    Absetzer
    Jungbullen
    Färsen

Bei der Mutterkuhhaltung auf der Weide werden die Kälber in 8 Monaten bis zu 380 kg schwer. In der Intensivmast erreichen sie nach 14 bis 16 Monaten ein Lebendgewicht von 600 bis 700 kg.

Trumpf der Blonde d' Aquitaine Rasse ist der Schlachtkörper:

Die Tiere können in jedem Lebensalter geschlachtet werden.

Die Ausprägung von Schulter, Rücken und Keulen garantiert häufig eine E-Klassifizierung bei einer Schlachtausbeute von 65 bis 70 %, was erst durch den geringen Knochenanteil, den relativ kleinen Verdauungstrakt und die sehr starke Ausprägung der Edelstücke möglich wird.

Unanfechtbarer Vorteil der Rasse Blonde d' Aquitaine ist die Eigenschaft, nur einen geringen Fettanteil am Schlachtkörper zu haben und ihn ein ganzes Leben lang zu behalten. Dies ist eine der Haupteigenschaften der Rasse und erklärt gleichzeitig ihren unvergleichbar geringen Eigenbedarfsanteil an der Fütterung, denn der Fettaufbau verbraucht im Säugetier mehr Energie als der Muskelfleischaufbau.

Dies haben Stationsprüfungen im europäischen Ausland und in NordrheinWestfalen bestätigt: die Blonde d' Aquitaine Bullen benötigten den mit Abstand geringsten Energiebedarf zur Erzeugung eines Kilogramms Gewichtszuwachses.

Blonde d´Aquitaine - Fleischqualität

Das Blonde d' Aquitaine Rind ist seit jeher für seine Feinfaserigkeit bekannt. Trotz eines geringen Anteils an Oberflächenfett (Fettabdeckung) ist die innermuskuläre Fetteinlagerung gut, was sich in einem sehr guten Geschmack zeigt.

Die Fleischqualität ist vom Milchmastkalb über Absetzer bis hin zu den Jungbullen überragend:

Trotz geringster Fettauflagerungen ist der intramuskuläre Fettgehalt ausreichend, um eine hervorragenden Fleischgeschmack zu gewährleisten.

Auch das Fleisch älterer Tiere hat eine sehr gute Qualität, die es ermöglicht, hohe Erlöse für ältere Schlachtkühe zu erzielen.

Die besondere Zartheit und Schmackhaftigkeit führte in unseren Nachbarländern Frankreich und Niederlande dazu, dass das Blonde Fleisch unter speziellen Gütesiegeln über Qualitätsfleischketten vermarktet wird.

In Frankreich werden unter dem "Label Rouge" Spitzenpreise für die Blonde d' Aquitaine Rasse mit deutlichem Abstand zu anderen Fleischrassen erzielt.

Blonde d´Aquitaine - Einkreuzung

Der Blonde Bulle wird entweder auf dem Weg der künstlichen Besamung oder im Natursprung zur Verbesserung der Fleischleistung und Qualität anderer, vornehmlich frühreifer Fleischrassen oder in Milchviehherden eingesetzt. Er steigert die tägliche Gewichtszunahme, das Endgewicht und die Schlachtausbeute um 4-8 Prozent, sodass die Produktivität des Betriebs steigt.

Zudem verringert er den Anteil an Knochen, Sehnen und Fett beträchtlich und steigert den Anteil wertvoller Teilstücke wie Keulen und Rücken.